Relaunch für Amnesty International Schweiz
Thierry Corbat arbeitet seit 27 Jahren bei Amnesty und war hat bereits fünften Mal einen Relaunch von amnesty.ch begleitet. Als Webmanager leitet er das Projekt, organisiert die Zusammenarbeit zwischen den beiden Agenturen für Back- und Frontendentwicklung sowie dem Projektkernteam und den weiteren internen Teams. Er führt neue Kolleg*innen in die Abläufe des Webpublishing ein und ist aktuell selbst in den Aufbau und das Content Management der neuen Seite involviert. Im Interview erläutert er die Gründe für den Relaunch und die wichtigsten Learnings.
Thierry, was schätzt du an deinem Job?
Sehr vieles. Zum Beispiel, dass ein so umfangreiches Projekt (wir migrierten 15’000 Artikel in drei Sprachen) genügend Zeit und Ressourcen erhält, was automatisch der Qualität dient. Ausserdem schätze ich, dass sich Amnesty International Schweiz in Zeiten von Social Media und KI zu einer so umfassenden Website bekennt.
Aus welchen Gründen hat sich Amnesty für einen Relaunch entschieden?
webcloud7 hat sehr früh signalisiert, dass sich die bisherige Website dem Ende ihres Lebenszyklus nähert. Das robustes Designsystem war 10 Jahre alt. Die zunehmend differenzierteren User-Interface-Bedürfnisse haben zu dieser Veränderung – einem aufwändigen, umfassenden Relaunch – geführt. Glücklicherweise kam ein Brand-Update zu einem günstigen Zeitpunkt kurz vor der Konzipierung dazu.
Gab es im Projekt einen Moment, in dem du dachtest: Wie geht es jetzt weiter? Wenn ja, wie bist du damit umgegangen und was hat dir geholfen, wieder Motivation zu finden?
Nein, es gab keine ausgeprägten Tiefpunkte. Das liegt auch an der breiten Erfahrung der beiden Agenturen mit komplexen Projekten: webcloud7 war verantwortlich fürs Backend, mutoco für Konzeption, Design und Frontend. Für mich war die Zusammensetzung unseres kleinen dreiköpfigen internen Projektteams ideal. Anfang März waren wir beim 60. Arbeitsmeeting. Und es war mein erster Relaunch in der KI-Ära. Da kommt man schnell zu Erklärungen von neuen Begriffen, bekommt Kontext und kann alle Fragen stellen.
Wo lagen die Vorteile in der Zusammenarbeit mit jeweils einem Lieferanten für CMS und Frontend?
Headless-Systeme sorgen da ja ohnehin für eine "natürliche" Trennung. Ich habe den Eindruck, dass die beiden Agenturen durch ihren jeweiligen Fokus in der Summe besser waren. Und möglicherweise würde ein Designsystem weniger frei konzipiert werden, wenn alles aus einer Hand käme.
Wie habt ihr sichergestellt, dass eure Mission – der Einsatz für Menschenrechte – auch auf der neuen Website sichtbar und spürbar bleibt?
Ob dies als sichergestellt wahrgenommen wird, können wir noch nicht sagen. Wir haben uns bewusst für ein magazinhaftes "Look and Feel" entschieden, um die Qualität der Amnesty-Informationen zu unterstreichen und gleichzeitig dem leider meist deftigen Inhalt etwas Luft und Verschnaufpausen zu geben. Das Design sollte auch den Spagat zwischen wortreichen Berichten und Landingpage-Situationen schaffen können.
Was ist das wichtigste Learning aus diesem Projekt, das du so nicht erwartet hättest?
Seitens Backend: dass man zu "exotischen" Anforderungen stehen kann. Unser Wunsch nach Lead-Bildern, die sich nach Ablauf der Lizenzdauer selbst auf ein Ersatzbild wechseln, wurde beispielsweise zu einer Grundfunktionalität des 7inOne-Backends. Seitens Frontend ist es gesund, wenn man mit altgewohnten und liebgewonnenen Webpublishing-Mustern vor ein neues Designsystem gestellt wird und sich beim Einarbeiten etwas reinknien muss.

Thierry Corbat, Projektleiter bei Amnesty International Schweiz
Mathias Leimgruber ist als Partner und Mitbegründer seit Tag eins bei webcloud7 und arbeitet aktuell als Leiter Entwickler. Er ist für die Entwicklung des Standardprodukts 7inOne sowie für den Betrieb des Kubernetes-Clusters (inklusive Cloudflare) zuständig. Zudem begleitet er Projekte technisch und hat die Teil-Projektleitung für die neue Website von Amnesty International Schweiz inne. Im Interview spricht er über erfüllte Erwartungen, die Zusammenarbeit und eine wichtige Erkenntnis für die Zukunft.
Mathias, was schätzt du an deinem Job?
Ich kann mich auf der technischen Seite kreativ austoben und begleite Kundinnen und Kunden sowie Software quasi vom ersten Tag bis zum Go-Live – und sogar darüber hinaus. Wichtig sind mir die Freiheiten, die ein Job in der IT-Branche mit sich bringt. Ich brauche nur einen Laptop und Internet. Wo das ist, spielt keine grosse Rolle. Ich kann von fast überall auf der Welt arbeiten.
Mit welchen Erwartungen bist du in das Projekt gestartet und haben sie sich erfüllt?
Für mich war es sehr wichtig, dass sich unser Produkt 7inOne mit den Anforderungen von Amnesty International Schweiz weiterhin als Standardprodukt betreiben lässt. Es gab einige Anforderungen, die wir direkt in unserem Produkt umgesetzt haben. Davon profitieren nun automatisch alle anderen Kunden. Positiv ist auch, dass sich unsere Strategie bewährt hat, das Frontend von anderen Lieferanten umsetzen zu lassen. In diesem Fall war es mutoco aus Bern. Soweit ich das beurteilen kann, wurden alle Anforderungen an das Frontend ohne grössere Hürden erfüllt.
Was motiviert dich, wenn du für eine NGO wie Amnesty International Schweiz arbeiten kannst?
In der Regel ist die Zusammenarbeit etwas offener und die Kommunikation direkter. Man kommt schnell ans Ziel, und kann bei Bedarf Kompromisse erarbeiten und umsetzen. "Agil" ist nicht nur ein Wort, sondern es wird gelebt.
Wie war die Zusammenarbeit mit einem externen Lieferanten für das Frontend und welche Vorteile bietet hier das Produkt 7inOne?
Wir haben mittlerweile schon etwas Erfahrung mit separaten Lieferanten für das Frontend. Der grosse Vorteil ist, dass wir 7inOne als Produkt anbieten können. Business-Logik, die nicht in unser Backend passt, lässt sich im Frontend in der Regel problemlos implementieren. So können wir garantieren, dass das Backend stets auf dem neuesten Stand ist und der Kunde regelmässig neue Funktionen, Sicherheits-Updates und Optimierungen erhält. Die Zusammenarbeit mit mutoco war hervorragend. Das "Pingpong" bezüglich der Frage, was, wo und wie am besten implementiert werden kann, hat bestens funktioniert. Der Umgang war respektvoll, professionell und effizient. Ich hoffe auf weitere gemeinsame Projekte!
Auf welche technischen Aspekte bist du nach Projektabschluss besonders stolz?
Die neue Website amnesty.ch wurde zu 100 % mit 7inOne umgesetzt. Alle Funktionen und Anforderungen konnten durch die Konfiguration des Standardprodukts umgesetzt werden. Das ist der Beweis dafür, dass wir in den letzten drei Jahren in die richtige Richtung gearbeitet haben.
Was nimmst du aus diesem Projekt für zukünftige Webprojekte mit, vielleicht insbesondere für NGOs?
Oft ist es in grösseren Projekten schwierig, dass alle in dieselbe Richtung gehen. In diesem Fall war es sehr wichtig, dass Thierry, der Projektleiter seitens Amnesty, sichergestellt hat, dass die Informationsarchitektur, das User-Experience-Design sowie das Webdesign mehrheitlich fertig waren, bevor wir über die Implementierung, die Konfiguration und die Datenmigration der technischen Umsetzung gesprochen haben.
